Ein Frauenname bereichert die Autowelt auch auf andere Weise: Der umtriebige Geschäftsmann Emile Jellinek prägt um 1900 mit dem Namen seiner Tochter Mercédès den rasch weltweit bekannten Markennamen der Daimler-Automobile. Dass fahrenden Frauen anfangs grundsätzlich als Phänomen bestaunt werden, ist nicht verwunderlich: Die Fahrzeuge sind in ihren frühen Tagen nicht ganz leicht zu benutzen. Sie zu lenken oder überhaupt erst in Gang zu bekommen ist körperlich anstrengend; von Motorsportlern und Taxifahrern wird noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts berichtet, dass sie sich blutige Hände holen und die Beine verbrennen, wenn der Motor mal wieder überhitzt ist und das heisse Öl durch die mangelhafte Isolierung des Motorraums spritzt. All das ist also nicht besonders ladylike; und vor dem Hintergrund, dass die meisten Menschen dem Automobil in dessen Anfangsjahren ohnehin ziemlich skeptisch gegenüberstehen, kann man ihnen wohl nicht verübeln, dass es für viele mit dem Ende des 19. Jahrhunderts vorherrschenden Bild dessen, was sich für eine Frau schickt, nur schwer vereinbar ist, dass sich eine Dame diesem ungestümen Ungetüm freiwillig anvertraut. Herzogin Anne d’Uzès gilt als die erste Person, die eine Führerscheinprüfung ablegt, und zwar 1898 in Paris. In Deutschland ist es 1909 Amalie Hoeppner in Leipzig. Zudem ist die französische Herzogin der erste Mensch, der einen Strafzettel bekommen haben soll, weil sie statt der erlaubten 12 km/h im Bois de Boulogne bei Paris mit 13 km/h unterwegs gewesen ist. "Eigentlich war es viel schöner, mit der Kutsche zu fahren", wird sie zitiert. "Mit lebenden Pferden statt Maschinen und Pferdestärken! Erst wollte ich keines dieser unsäglichen, krachmachenden Automobile haben. Aber dann hat mit das Fahren doch riesigen Spass gemacht." Um die Jahrhundertwende werden auch die ersten Damen-Autoclubs gegründet, in denen die Mitglieder gemeinsame Autofahrten planen und sich überlegen, wie man Fahrkomfort und Sicherheit der Autos verbessern kann. Frauen beeinflussen also schon recht früh Techniker und Karosseriebauer, damit die Gefährte verbessert werden. Trotz aller Begeisterung der Damen für die motorisierten Kutschen werden Frauen, die hinter das Steuer drängen, zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch immer mit Skepsis betrachtet. Die "Allgemeine Automobil-Zeitung" schreibt 1902: "Man darf wohl, ohne ungalant zu werden, die Behauptung wagen, dass sich bei den wenigsten Vertreterinnen des zarten Geschlechts jene Eigenschaften finden, die eine gute Automobilistin unbedingt haben muss: Kaltblütigkeit, rasches Auffassen der Situation, blitzartiges Entschliessen, Vorsicht, Niederzwingen des in jedem Automobilisten schlummernden Schnelligkeitswahnsinns." Um 1905 soll es gleichwohl die ersten Taxifahrerinnen, die so genannten Chauffeusen gegeben haben; 1909 berichtet die "Allgemeine Automobil-Zeitung" von der ersten Chauffeuse in London, "einer jungen, hübschen Irländerin", die zuvor als Krankenschwester während des Burenkriegs in Afrika gearbeitet hatte und aufgrund geltender Fahrverbote für Frauen über eine Garage engagiert werden muss und nicht wie üblich über eine Zentrale. Und ein ganz anderer Beruf kommt mit dem Automobil auf: 1907 berichtet die "Allgemeine Automobil-Zeitung", dass sich jetzt "vielfach alleinstehende vornehme Damen grössere Luxusautomobile anschaffen" und dazu eine Reisebegleiterin brauchen: "Empfohlen wurde in Berlin für diesen neuen Beruf gleich eine Frau Dr. von Papp, die ihre theoretische Schulung in Vortragskursen eines Berliner Technikums erhalten hatte und in der praktischen Fahrkunst von einer Autowerkstatt geschult worden war.
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